Die Schönheit der schottischen Highlands im Winter und deren Gefahren.

Warum dieses Thema?

Aus drei Gründen:

  1. Viele Gäste im Sommer fragen mich wie ist das Wetter im Winter. Gibt es Schnee und wenn ja wie viel?
  2. Das Wetter ist aufgrund dessen das wir auf einer Insel leben unberechenbar und wir haben mehr Schnee im Winter als viele denken.
  3. Ich möchte dem geneigten Wanderer der gerne die Schönheit Schottlands im Winter erwandern möchte einige Tipps an die Hand geben um sicherer durch das Gelände und den Schnee zu waten.

Aber am besten ist wir fangen ganz vorne an. Schottland ist nicht vergleichbar mit England. MET Office ist unserer Wetterdienst in Großbritannien und gibt uns einige sehr wichtige Informationen die das bestätigen.

„In Scotland [compared to England with 33 days], the figure is much higher, with snow or sleet falling on 52 days on average. Statistically, the snowiest place in the UK is the Cairngorms in in Scotland, with 76.2 days of snow or sleet falling on average.“

Wir haben im Durchschnitt 52 Tage Schneefall und in den Cairngorms, eine bestimmte Bergregion im Nordosten Schottlands, sogar bis zu 76,2 Tagen.

„Much of this snow fall does not settle, and the figures for snow on the ground (snow lying) are much lower. On average across the UK there’s only 16.5 days a year when snow is on the ground, compared to 27.7 days in Scotland. Again, most of the snow on the ground can be found in mountainous areas.“

Der meiste Schnee bleibt in Schottland liegen mit 27,7 Tagen im Durchschnitt, im Gegensatz zu England mit 16,5. Am meisten bleibt natürlich in den Bergregionen liegen.

Wo haben wir die meisten Bergregionen? Natürlich in Schottland, vor allem sind sie sehr viel größer als alles andere vergleichbare in Wales oder England.

SnowLying_Average_1981-2010_171
Liegengebliebener Schnee jährlich von 1981 – 2010 in Großbritannien.

Dies sind natürlich alles nur Fakten, sie dienen nur dazu, zu belegen das Schottland überdurchschnittlich mehr Schnee hat als England oder Wales.

Man merkt das auch beim Autofahren, die Schotten sind es gewohnt im Schnee zu fahren und mit Schneestürmen umzugehen. Kommt es zu großem ausserplanmäßigen Schneefällen südlich der Grenze kann es im schlimmsten Falle zu einem Verkehrschaos führen.

Aber was bedeutet das für den geneigten Winterwanderer in Schottland? Was sind die Gefahren und wie kann man diese Minimieren?

Zusammenfassung der Gefahren:

  • Niedrige (kalte) Temperaturen
  • Hohe Winde aufgrund der Insellage
  • Abrupter Wetterwechsel aufgrund von Insellage
  • Schnee / Lawinen / Whiteout (Schnee am Boden und Nebel) Bedingungen
  • Kurze Tage mit wenig Tageslicht-stunden
  • Wandern auf Schnee (Eis) oder in Schnee
  • Abgeschiedenheit einiger Regionen

Als nächstes werden wir ein wenig genauer über die Gefahren reden und wie wir damit umgehen können, wo wir Informationen finden die uns helfen können und wie wir in bestimmten Situationen die Gefahr minimieren können.

Dies sind  alles nur Tipps und Hilfen. Es dient dazu den Winter Wanderer in Schottland aufmerksam zu machen und zu unterstützen. Diese Hilfen und Tipps sollen vor allem bei der Planung helfen bevor die (Tages)-Wanderung startet oder der mehrtägige Trip in die Schönheit Schottlands.


Niedrige (kalte) Temperaturen

Schottland selbst hat aufgrund des Atlantiks und dem Golfstrom nicht so kalte Temperaturen im Winter wie die meisten Gegenden in Deutschland. Der Golfstrom bringt uns nicht so warme Temperaturen im Sommer (19°C Durchschnitt im Sommer) zu 5°C im Winter. Kein großer Unterschied also und vor allem nicht wirklich kalt (zumindest wenn man Deutsche Winter gewöhnt ist), allerdings sind wir auf einer Insel und vor allem wenn das Wetter vom Westen kommt , sind wir die erste Verteidigungslinie Europas.

Hohe Winde aufgrund der Insellage

Kommt das Wetter aus dem Westen im Winter bringt es meist viel Regen/Schnee und hohe Winde. Die Temperaturen allein reichen nicht aus um große Probleme zu bereiten beim Wandern. Allerdings in Kombination mit Windgeschwindigkeiten von bis 160 km/h reden wir nicht mehr von +5°C sondern einem Wind-Kälte-Faktor von -15° bis -20°C in den Bergen.

„The strongest ever winds in the UK have been recorded on mountains, the strongest ever gust was 150.3 knots (173 mph= 278 km/h) recorded at Cairngorm Summit on 20 March 1986. However, some very strong gusts have been recorded at low levels too – these mostly along exposed coastal areas.“ Met Office

Aufgrund der Insellage sind wir starken Winden ausgeliefert und viele Kontinental Europäer verstehen nur bedingt den Einfluss des Wetters auf unsere Berge. Es sind zwar nur Mittelgebirge und mit dem höhsten Berg gerade mal nur 1344 m (Ben Nevis) hoch, doch wir reden von alpinen Wetterbedingungen im Winter wie Sommer. Man findet Pflanzen die sonst in den Alpen nur auf 2500 m wachsen, in Schottland bereits ab 700 m.

–> Sehr gute Winterkleidung ist hier Gold wert. Vor allem mehrere Handschuhe (sollte ein Paar nass werden), Mützen und etwas für den Hals (Buff, Schal). Warme mittlere Schichten (Fleece, Polartec, Daunen) sind sehr wichtig, lieber eine Schicht zu viel als zu wenig.

Abrupter Wetterwechsel aufgrund der Insellage

Innerhalb Minuten kann das Wetter vom strahlenden Sonnenschein zu einem Blizzard wechseln im Winter. Auch kann der Tag mit geringen Winden starten und in einem Sturm enden. Auch dies hat sehr viel damit zu tun das wir auf einer Insel sind.

–> Gute Kleidung ist Grund Voraussetzung und kontinuierlich das Wetter beobachten während des Trekking. Bevor es es zum Wandern geht, studiere die Vorhersagen genauer auf MET Office und Mountain Weather Information Service.

 

Schnee / Lawinen / Whiteout (Schnee am Boden und Nebel) Bedingungen

Aufgrund der hohen Winde die meisten die Wintermonate begleitet kommt es zu sehr vielen Windverwehungen in den Bergen. Dies führt zu sehr hohen Akkumulationen von Schnee auf den Wind abgewandten Berghängen, was wiederum zu einer hohen Gefahr führt von Lawinen. Viele denken aufgrund dessen das unsere Berge nicht hoch sind und wir keine Lawinen haben. Dies ist allerdings ein Trugschluss und sollte schnell vergessen werden.  Wir haben bis zu 200 Lawinen im Winter und es gibt ‚gute‘ und ’schlechte‘ Jahre mit Unfällen und Todesopfern.

–> Lawinen kurse können helfen diese besser zu verstehen und wie man sie am besten vermeidet. In Schottland haben wir auch eine Vorhersage durch das Scottish Avavlanche Information Service. Diese geben täglich Informationen über Lawinen für bestimmte Regionen. Diese Internetseite sollte sehr gut studiert und vor allem täglich verfolgt werden bevor man sich auf den Weg macht in die Highlands.

‚Whiteout‘ Bedingungen sind eine große Herausforderung an die Navigationskünste des Wanderers. Es ist komplett weiß um einen herum, Sichtweite ist weniger als 5 m und man ist geneigt relativ schnell die Übersicht zu verlieren und sich zu verlaufen. Dies ist eine große Gefahr, den wir haben nicht wie in den Alpen überall Schilder die einem den Weg weisen und man ist häufig sehr abgelegen und Stunden vom nächsten Haus oder Notunterkunft entfernt.

–> Gute Kompass und Karten Kenntnisse sind hier von Vorteil um das zu vermeiden. GPS Geräte helfen helfen hier auch sehr um heraus zu finden wo man sich genau befindet.

Kurze Tage mit wenig Tageslicht-stunden

In Schottland sind wir relativ weit im Norden, im Vergleich zu Deutschland. Das bedeutet die sind noch kürzer als die meisten es gewohnt sind. In den Highlands wird es in den meisten Gebieten nicht vor 09.00 Uhr hell und bereits gegen 15.00  Uhr ist es dunkel. Das bedeutet man hat nicht mehr als 6 Stunden Tageslicht.

–> Gute Planung der Route hilft die Stunden gut zu nutzen und man sollte immer mindestens eine Stirnlampe dabei haben falls man un-geplant doch im Dunkeln wandern muss. Persönlich haben wir immer zwei dabei falls eine kaputt geht oder die Batterien alle sind.

Wandern auf Schnee (Eis) oder in Schnee

Jeder hat sicherlich Erfahrung damit. In Schottland allerdings ist ein großer Unterschied zu den Alpen (Schneeschuh gehen ist dort angesagt). Aufgrund der hohen Winde, die meistens einher gehen mit schlechtem Wetter, friert die Oberfläche des Schnees und bildet eine rutschige Eisschicht. Das bedeutet wir benötigen hier um sicher Berghänge hoch und runter zu gehen Klettereisen. Das ist nicht zu unterschätzen, im schlimmsten Fall ist man dazu verdammt dort zu bleiben wo man ist wenn man die Hänge nicht sicher erwandern kann. Schneeschuh gehen ist in Schottland nicht weit verbreitet da meistens der Schnee nicht weich genug ist. Als zweites ist es eine Eisaxt mit sich zu führen und auch den Umgang damit zu verstehen.

–> Übe den Umgang mit Klettereisen und hab ein Paar mit auf Wanderungen um sie anzulegen wenn benötigt. Sowie trage immer eine Wander-Eisaxt mit dir.

Abgeschiedenheit einiger Regionen

In Schottland gibt es Regionen die sehr abgelegen sind und wenn man dort unterwegs ist gibt es häufig auch kein Handy-Signal. Was wiederum bedeutet Hilfe zu holen ist nicht so einfach. Viele unterschätzen dies, Schottland ist eines der letzten unberührten Gebieten Europas.

–> Regelmäßig prüfen wann letztes Handy-Signal war. Gute Planung im Voraus mit Notfall Routen falls etwas passiert. Am besten niemals allein gehen sondern mindestens zu zweit. Wir haben eine Bergrettung, diese erreicht man auch unter der Polizei-Nummer 999.


 

Schottland im Winter ist atemberaubend schön und die Berge mit Schnee sehen komplett anders aus als im Winter. Das Wandern wird zu einer größeren Herausforderung und gute Planung im Voraus ist entscheidend um einen Trip erfolgreich abzuschließen. Lasst Euch jedoch nicht davon abhalten Schottland im Winter zu erleben. Man kann mit kleinen Schritten beginnen und einfache Wanderungen unternehmen mit geringen Höhenunterschieden oder Tal-Wanderungen um die tollen weißen Riesen um einem herum zu genießen.

Solltet Ihr Fragen haben zu diesen Artikel, Schottland oder andere Dinge immer her damit. Ich helfe gerne bei der Planung oder falls Ihr etwas tiefer in die Materie gehen möchtet. Ihr erreicht mich per Email oder schreibt einfach ein Kommentar.

Vielen Dank für das lesen meines erstes Blogs. Weitere werden folgen, Ich werde alle zwei Wochen mit einem weiteren Thema diese Seite füllen sowie regelmäßig die Seite updaten mit mehr Infos über mich und Links zu bestimmten schottischen Seiten.

Als letztes habe ich noch eine kleine Galerie von Bildern erstellt die ich aufgenommen habe in den letzten drei Jahren seitdem ich in Schottland lebe und arbeite.

Alles über Schottland und die Möglichkeiten die Natur zu erkunden und zu geniessen.